Gartenzwerg Kasimir

Kolumne in

„doppelpukt“ und „SONNTAG“

 

Sage & schreibe

 

Schnäppchen contra Januarloch

 

Was ich im Sinn habe, fragt Kasimir mein Gartenzwerg, als ich mit rotem Kopf und zwei Taschen an ihm vorüber stürme. „Einkaufen! Das ist ab sofort meine Sache“, verkünde ich. Kasimir grinst spöttisch. Egal! Ich werde meiner Frau beweisen, dass das Januarloch kein notwendiges Übel ist. Im Gegensatz zu ihr habe ich die Zeichen der Zeit erkannt. Als Superuser besitze ich die gesamte Übersicht: „Nur 99. 99 statt 100 Franken“! „Zwei für Eins“! „Mega Geschenk“! Meine Devise: Im richtigen Moment zupacken. Zum Beispiel auf 30 x10 niesfeste Papiertaschentücher zu sagenhaftem Tiefstpreis. Keine teuren Waschmittel mehr! Keinen Strom fürs Waschen und Bügeln! Nur ein Detail habe ich übersehen: Die Aktion war letzte Woche. Doch wenn ich schon im Superladen bin, werde ich nicht ohne Jagdbeute heimkehren. Da, ein Preiskracher! Die Kaffeemaschine mit Tassenautomatik für 59.90. Gut, ich brauche dazu das nötige Cappucino- und Espresso- Tassenset. Den elektrischen Milchaufschäumer, ein Café Clean, ein Calc-Clean und die ganze Welt des Cafés in neun erlesenen Sorten. Aber ich spare Räppler um Räppler. Warum am Ende der Woche trotzdem ein Loch in der Haushaltskasse klafft, ist mir schleierhaft. Wie sag ich‘s meiner Frau? Kasimir mein Gartenzwerg, weiss Rat: „Verreist doch einfach in Hotelferien, da braucht man kein Haushaltungsgeld“. Und augenzwinkernd: „Der ALDI bietet wahre Schnäppchen von Traumferien an.“ Verreisen! Welch brillante Idee. Und buchen werde ich … wohl doch eher in einem normalen Reisebüro.

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Auf den Spuren von Old Shatterhand

 

Der Koffer ist gepackt. Nun nur noch den farblos gewordenen, breitkrempigen Filzhut aufsetzen! Ob ich in den Wilden Westen reiten wolle? höhnt mein Gartenzwerg Kasimir. Ohne eine Miene zu verziehen sage ich, was Old Shatterhand dazu gesagt hätte: „Psaw!“ Schon als Viertklässler las ich den „Schatz im Silbersee“. Später bestand ich mit Winnetou und Kara Ben Nemsi Abenteuer um Abenteuer. Die zwölf Namen von Hatschi Halef Omar konnte ich ohne mit der Wimper zu zucken aufsagen. Doch nach 50 „Grünen Bänden“ setzte ein Lehrer meiner Karriere als Westmann ein jähes Ende: Karl May sei ein Hochstapler und Krimineller gewesen, eröffnete er mir. Genau 52 Jahre brauchte ich, um mich von diesem Schlag mit der „Schmetterhand“ zu erholen. Nun aber, zum 100. Todestag meines Lieblingsautors, reise ich nach Radebeul in die Villa „Shatterhand“. Und auf der Felsenbühne Rathen verfolge ich den grossen Auftritt meiner Idole. Doch dann die Ernüchterung: Der Bühnen-Winnetou ist eine farblose Memme und das Museum liefert mir nur den Beweis, dass Karl May nie gegen Indianer gekämpft hat. Die bunte Phantasiewelt meiner Jugendjahre ist nicht wiedergekommen. Mit hängendem Filzhut kehre ich zurück. Mein Gartenzwerg Kasimir versucht mich zu trösten. „Psaw!“ sagt er, „vielleicht lässt ja Peer Steinbrück seine Kavallerie eines Tages doch noch gegen Schweizer Steuersünder ausrücken!“ Hugh! Kasimir hat Recht: Dieser deutsche Minister ist der einzige, der meinen Wunsch, wenigstens einmal Indianer zu sein, erfüllt hat!

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Mitbringparty

 

Wir verlassen das Haus: Meine Frau mit prallvollem Korb, ich mit Rucksack und Kühltasche. Gartenzwerg Kasimir fragt schnippisch: „Wollt ihr auswandern?“ Ich strafe ihn mit Verachtung. Wir sind zu einer „Mitbringparty“ eingeladen. Das sind so Garten-Wald- und Wiesenfütterungen nach dem Prinzip „Schnaps und Humor aus dem Rucksack“. Also, mit der Gemütlichkeit ist das so eine Sache. Will man nicht seine tomatenroten, tiramisubraunen Wunder erleben, muss die „Mitbringerei“ in zahlreichen Sitzungen logistisch geplant werden. Wer möchte sich vor Freunden schon blamieren? Mit der Beteuerung, es sei halt nur etwas Einfaches, werden die auserlesensten Leckerbissen präsentiert. Ich muss aus Prestigegründen einen „Tofuburger alla salvia“ grillieren, wo mir doch ein ehrlicher Cervelat viel lieber wäre. Derweil disputieren die Hausfrauen: Ob man das Olivenöl besser beim „Griechen“ oder bei Freunden in der Toskana kauft? Ich konstatiere mit wachsender Beunruhigung, dass mein Tomatensalat unberührt bleibt. Dann die Kür der „Tiramisu“ und das gegenseitige Rühmen … Pinocchios Nase müsste ins Unermessliche wachsen! Als Finale furioso die Frage: Wer nimmt welche Reste? Trotz „Cüpli“ und „Chianti classico“ ernüchtert, trage ich den Tomatensalat heim. Gartenzwerg Kasimir lacht lauthals. „Hättest du mich gefragt!“, spottet er. „Ich hätte dir sagen können, dass heute niemand mehr Tomatensalat ohne Büffelmozarella isst“. Werde meine Lektion lernen! Die nächste „Mitbringparty“ steht schon in der Agenda.

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Schweizer und andere

 

Was mir über die Leber gekrochen sei, fragt Kasimir mein Gartenzwerg, als ich den Telefonhörer hinknalle und auf gut Deutsch fluche. Hat doch dieser Verkäufer im Discount-Laden tatsächlich gesagt: „Ey Mann, isch konkret krass, s Beschte wos je het‘s gits. Easy!“ „Und so einer will mir das komplizierte neue Gerät, welches ich bestellt habe, erklären!“ Kasimir grinst spöttisch. „Schau ihn dir doch erst mal an“, meint er. Und ob ich das werde! Als Kunde bin ich König, und im Notfall gibt es ja immer noch den Filialleiter. Wie ich hinfahre, summt mein Handy. Am andern Ende Balkan-Slang! Der Verkäufer warnt mich: Die Zufahrt sei wegen einer Baustelle gesperrt. „Nur, as nid hesch‘s Problem mit ems Navi“, sagt er. Woher zum Teufel weiss der, dass ich mit dem Navi fahre? Im Laden kommt mir der junge Mann mit Gel-Frisur lässig entgegen. Grinst und sagt: „Du wägä Plattenspieler, ich säge, wie s’ ims geht“. Mit Engelsgeduld führt er das Gerät, das er für mich vorsorglich schon mal zusammengesetzt hat, vor. Am Schluss will er den schweren Karton gar noch zu meinem Auto tragen. Ich bin perplex. Reiche ihm ein Nötchen. „Für ein Bier nach Feierabend“, sage ich jovial. Und er: „Sicher nöd Mann!“ Als Moslem trinke er keinen Alkohol. Zu Hause blickt mich Kasimir, mein Gartenzwerg, fragend an. „War ganz in Ordnung!“, sage ich. Worauf er meint: „Weisst du eigentlich, dass alle Schweizer, die Gartenzwerge halten, Bünzlis sind?“ „So, so! Werde mir alle Mühe geben, dieses Vorurteil künftig zu widerlegen“.

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Pyrofackeln

 

Jetzt, wo ich pensioniert bin, werde ich wieder Spiele meines Lieblings-Fussballklubs live mitverfolgen. Irgendwo müsste doch noch ein altes FCL-Fähnchen sein! Ob ich sicher sei, dass ich mir das antun wolle? fragt besorgt mein Gartenzwerg Kasimir. Was versteht denn der Wicht vom hehren König Fussball! Ich als ehemaliger Torwart weiss da besser Bescheid! Jedoch … im Stadion ist alles ein wenig anders geworden. Rund um mich grölen und pöbeln betrunkene Fans. Ist der Gegner am Ball, wird gepfiffen. Ich versuche einem jungen Fan zu erklären, dass wir zu meiner Zeit fairer … „Verpiss dich alter Knacker“, herrscht er mich an. Glücklicherweise fällt ein Tor! Während ich brav mein Fähnchen schwenke, entflammen neben mir Bengalos. Stickiger Rauch! Blendendes Licht! Ich ergreife die Flucht. Beschliesse, meine gewonnene Freizeit doch lieber in die Champions-League der Senioren an der Luzerner Senioren-Uni zu verbringen. Doch an der Eröffnungsfeier beklagt sich der Vorstandspräsident: Der Staat spare bei Senioren! Die Beiträge reichten kaum mehr aus, dem grossen Andrang Herr zu werden. Ich weiss mir keinen Rat mehr. Mein Gartenzwerg Kasimir schon: „Senioren sollten während Vorlesungen Pyro-Fackeln ins Publikum werfen“, rät er. Ich will ihn gerade energisch zurechtweisen … da fällt mir ein: Er hat Recht. Die Beiträge an die Fanarbeit des FCL, „welche situative, strukturelle und sozialbedingte Gewalt in der Fan-Zone vermindert“, sind dem Streichkonzert der Sparwütigen nicht zum Opfer gefallen.

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Unterricht in „Simsisch“

 

„Können Sie mir sagen, wo die Gibraltarstrasse ist?“ frage ich einen Passanten. „Gib sie doch im iPhone ein!“ sagt der mürrisch. Kaum zuhause, verkünde ich, dass ich nun doch so ein modernes „Telefon“ kaufen wolle. Ob ich mich da nicht ein bisschen überschätze? krittelt Kasimir, mein Gartenzwerg. Dieser hinterwäldlerische Wicht! Klar, so ein Kauf will gut überlegt sein. Ich studiere Prospekte. Ein Modell verspricht mir drahtlose Technologien und weltweit noch mehr Netzwerke. Das andere lässt mich dank WI-FI schneller laden, surfen und streamen. Weder kapiere ich viel, noch kann ich mich entscheiden. Da kommt unerwartet Hilfe. Im Tierpark Goldau beobachte ich eine Pubertätsgöre. Von ihren Eltern zum Sonntagsspaziergang verdonnert, beschäftigt sie sich ausschliesslich mit dem iPhone. Wollen Vater und Mutter ihr Tiere zeigen, starrt sie sauertöpfisch aufs Display. Bis ihr die rettende Idee kommt! Warum nicht so ein blödes „Vieh“ knipsen und der besten Freundin schicken? Während die Eltern weitergehen, setzt sie sich zu mir auf die Bank. Ich gucke ihr über die Schultern. Sekundenschnell verschickt sie eine Botschaft. Mir bleibt das Staunen! Zuhause tüftle ich stundenlang, um zu erraten, was ihr Inhalt gewesen sein könnte: EB  = Echt blöd! (:-&  = Wütend! FÜMIEIN = Fühle mich einsam. DDR = Dreimal darfst du raten. AS = Antworte schnell. ?. Klammheimlich lege ich Prospekte zur Seite. Kasimir, der Gartenzwerg, sieht’s! Meint dann grinsend: „SFH! “? „Was zum Kuckuck?= Schluss für heute!“

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Fasnachtsmuffel

 

„Gäll du kennsch mid nöd“, krächzt Kasimir, mein Gartenzwerg, mit verstellter Stim-me. Über seiner Knollennase sitzt eine Brille ohne Gläser und an der Mütze baumelt giftgrün eine Zottel. Ums Himmels Willen: Heut ist ja Schmutziger Donnerstag! Höchste Zeit für ein Coming-out: Ich bin ein hoffnungsloser Fall von Fastnachtsmuffel! Mein Trauma geht wohl auf ein frühkindliches Erlebnis zurück. An einem sonnigen Wintertag – ich wäre gerne schlitteln gegangen – zwängten mich Mutter und Grossmutter in einen viel zu engen Mädchenrock. Mich als Bub! Dann puderten die Frauen mir die Backen rosig. Malten meine Lippen rot. „Was für ein hübsches Prinzässli!“ riefen sie eins übers andere Mal. Vielleicht hätte ich mich ja noch damit abgefunden, von nun an als Märchenprinzessin durchs Leben zu gehen. Wäre nur dieser grässlich dicke Mann vom Fastnachtskomitee nicht gewesen: Schwarzer Anzug, rote Gumminase und ein besonders lustiges „Hüetli“. Bei der Maskenprämierung bückte der sich doch zu mir herunter und sagte: „Bisch du aber äs süesses Häxli!“ Ich weinte. Vor Scham und Zorn. Zum Trost warf er mir eine Orange zu. Sie war faul! – Dem fasnachtsverrückten Gartenzwerg Kasimir geht mein Gejammer gewaltig auf den Keks. „So verreis doch über diese Tage“, ruft er mir mit Befehlsgroll zu. Er muss es geahnt haben: Wie ich im Kurhotel bei bester Laune zum Diner in den Speisesaal komme, liegt neben dem Gedeck ein bunter Zettel. Darauf steht: „Heute grosser Gäste-Maskenball. Die originellsten Kostüme werden prämiert.“

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Invasion mit Stöcken

 

Ich bin nicht mehr ganz jung, nicht mehr ganz schlank, nicht mehr ganz fit. Kurz: Einer von vielen Schweizern, welchen der Arzt sportliche Betätigung dringend emp-fiehlt. „Vielleicht nimmst du ja mal so Stöcke finnischer Herkunft zu Hilfe“, rät mir voll Mitleid mein Gartenzwerg, der Kasimir. Meinen Protest hätten Sie hören sollen! Nor-dic Walker. Ha! Nichts als aufgepeppte, verweichlichte Spaziergänger sind das. Eine wahre Landplage, dieses lapidare Fussvolk! Laufen auf Waldwegen zu Dritt nebeneinander, gackern dabei wie die Hühner. Bewaffnet mit ihren von weitem hörbaren Stöcken sind sie für ehrliche Sportler direkt gemeingefährlich. Nein, ich werde biken! Die Ausrüstung eines Bikers fange bei der funktionellen Unterwäsche an, lese ich in einer Fachzeitschrift. „Cool, light, X-warm mit kurzer Trocknungsdauer in den Farben Apple oder Fossil“. Dann doch lieber Inlineskaten! Wikipedia gibt Auskunft: „Je nach Anforderung gibt es Fitnessboot, Aggressiv- oder Speed-Skates“. Dass die üblicherweise empfohlene Schutzausrüstung aus fest sitzendem Helm sowie Knie-, Ellbogen- und Handgelenkprotektoren bestehe, muss ich übersehen haben. Kurz und gut: Als mir kurz danach ein paar dieser modernen Krieger mit Stöcken im Wege stehen, funktioniert weder die Schneepflug- noch die T- oder Halbmondbremse. Meinem Gartenzwerg Kasimir entgeht natürlich nicht, dass auch ich nun an zwei Stöcken humple. „Noch einen Gurt mit Trinkflasche, und du bist ein perfekter Walker“, grinst er unter der Zipfelmütze hervor. ________________________________________________________________

 

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Flugdrachen im Schlafzimmer

 

Eigentlich bin ich eher friedliebend. An feuchtwarmen Sommerabenden jedoch wappne ich mich oft wie weiland „Don Quichotte“. Neben dem Kopfkissen als Schild gehören dann zu meiner Ausrüstung Bücher und eine Haarbürste als Schlagwaffen, dazu ein nasser Lappen als Wurfgeschoss. „Gegen wen, ums Himmels Willen, willst denn du in den Kampf ziehen, wo jeder normale Mensch schläft?“ fragt besorgt Kasimir, mein Gartenzwerg. Der Wicht weiss natürlich nicht, welch blutrünstige Bestie im Schlafzimmer lauert, mir Angst und Schrecken einjagt. Kaum ist das Licht aus – ich schlummere gerade ein – höre ich es: Das nervtötende Summen, Surren, Sirren. Direkt vor meinen Ohren. Ich schrecke auf, mache Licht. Doch jetzt ist der Flugdrache nicht mehr zu hören. Und, weil er – ich geb’s ja zu – eine Flügelspannweite von gerade mal fünf Millimetern besitzt – noch viel weniger zu sehen! Als „Ritter der traurigsten Gestalt“ pirsche ich nun von Tapete zu Tapete, suche Möbelstück um Möbelstück ab. Nichts! Habe mich wohl doch getäuscht. Licht aus! Augen zu! Und schon wird der nächste Angriff geflogen. Ich spüre das Untier auf meiner Nase, schlage blindlings zu. Aua! Licht wieder an! Der zweite Kampf geht bis zur Erschöpfung. Zu meiner Erschöpfung, wohlverstanden! „Machst du da nicht aus einer Mücke einen Elefanten“? fragt mich, kopfschüttelnd Kasimir, der Gartenzwerg. Nein und abermals nein! Ich kann versichern, dass mir eine ganze Herde Elefanten im Schlafzimmer noch lange lieber wäre als eine einzige Stechmücke.

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Vernissagenreden

 

Kaum werden Tage kürzer, flattern zahllose Einladungen zu Kunst-Vernissagen in den Briefkasten. Genug jetzt! sage ich, und schicke mich an, eine demonstrativ in den Papierkorb zu werfen. Da meldet sich neben mir Kasimir, mein Gartenzwerg: „Früher hättest Du das nie gewagt, nur schon aus pädagogischen Prinzipien!“ Ach, muss er mich denn daran erinnern? Damals sollte ich an einem Samstag Kinder hüten und gleichzeitig eine Kunstausstellung besuchen. Obschon ich nicht erwarten konnte, dass Primarschüler sich für „monothematische Kubus-Studien in bordeauxroter Oelfarbe“ interessieren, nahm ich sie mit. Während ich aufmerksam lauschte, wie der Vernissage-Redner „die überraschende Klarheit in der Farbgebung und den emotionalen Kurs der Linienführung“ pries, machten sich die beiden selbständig. Ich sah sie von Werk zu Werk eilen. Eine Woche später wollten sie unbedingt wieder mitkommen. Zu einer Ausstellung mit Rauminstallationen, welche „dank kategorial getrennten Innen und Aussenformen im Beschauer abstrakte Assoziationen weckten“. „Meine Kinder interessieren sich für Kunst“, bemerkte stolz. Da forderte mich jemand auf, mal in den nächsten Raum zu gucken: Vor dem Buffet, wo während der Rede sonst niemand war, standen sie. Mit Händen voll Käse, Wurst, Brot, Orangensaft und Birnenschnitzen. Und Kasimir, der Gartenzwerg, der neben modernen Rauminstallationen kaum auffiel, flötete wichtigtuerisch: „Das schadet den Kindern nicht! Unverdaulich an moderner Kunst ist nur, was Vernissagen-Redner dazu sagen!“ ________________________________________________________________

 

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Die Kolumnen mit  „Gartenzwerg Kasimir“ (Sage & Schreibe in den Zeitschriften Doppelpunkt und Sonntag) gibt es als Zwischenton auch auf der Hörkassette „più mehr hören“ . (CAT Medien AG, Neuhoferstrasse 101, 5401 Baden – www.piu-online.ch